Ebba von Coldingham

Gedächtnis: 25. August
Die heilige Ebba, auch Æbbe oder Ebbe genannt, wurde um das Jahr 615 als Tochter des Königs Æthelfrith von Bernicia und der Prinzessin Acha von Deira geboren. Sie war die Schwester des heiligen Königs und Märtyrers Oswald von Northumbrien sowie König Oswius. Nachdem ihr Vater 616 in einer Schlacht gefallen war, musste sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Brüdern in das schottische Königreich Dál Riata fliehen. Dort stand die königliche Familie unter dem Schutz christlicher Herrscher und kam mit der geistlichen Überlieferung der irisch-schottischen Kirche in Berührung. Ebba empfing die heilige Taufe und entschloss sich, ihr ganzes Leben Christus zu weihen.
Als ihr Bruder, der heilige Oswald, den northumbrischen Thron bestieg und gemeinsam mit dem heiligen Bischof Aidan von Lindisfarne die Verkündigung des Evangeliums förderte, konnte Ebba in ihre Heimat zurückkehren. Obwohl sie aufgrund ihrer königlichen Herkunft als begehrte Braut galt, verzichtete sie auf eine weltliche Ehe und erwählte das monastische Leben. Der Überlieferung zufolge empfing sie um das Jahr 640 aus den Händen des heiligen Finan von Lindisfarne die Mönchsweihe.
Mit Unterstützung ihrer Brüder gründete Ebba zunächst eine klösterliche Gemeinschaft in Ebchester und später das berühmte Doppelkloster von Coldingham an der Ostküste Schottlands. Dieses bestand aus einer Gemeinschaft von Mönchen und einer Gemeinschaft von Nonnen, die getrennt voneinander lebten, jedoch gemeinsam in der Klosterkirche beteten und unter der geistlichen Leitung der Äbtissin standen. Ebba leitete das Kloster mit Weisheit und machte es zu einem bedeutenden Mittelpunkt des geistlichen Lebens und der christlichen Verkündigung.
Wegen ihrer Frömmigkeit, Klugheit und geistlichen Urteilskraft genoss die heilige Äbtissin hohes Ansehen. Selbst Könige, Bischöfe und andere bedeutende Persönlichkeiten suchten ihren Rat. Zu den Heiligen, die mit Coldingham verbunden waren, gehörte der heilige Cuthbert von Lindisfarne. Auf Ebbas Einladung besuchte er das Kloster, unterwies dessen Bewohner und stärkte sie durch sein Wort und sein Beispiel. Während eines dieser Aufenthalte ereignete sich nach dem Bericht des ehrwürdigen Beda das bekannte Wunder, bei dem zwei Fischotter die vom nächtlichen Gebet im kalten Meer erstarrten Füße des heiligen Cuthbert wärmten und mit ihrem Fell trockneten.
Auch die heilige Etheldreda, die spätere Gründerin und Äbtissin des Klosters von Ely, lebte einige Zeit unter Ebbas geistlicher Führung in Coldingham. Nachdem sie das weltliche Leben verlassen hatte, wurde sie dort auf ihre spätere Aufgabe als Klostergründerin und Äbtissin vorbereitet.
Besondere Weisheit und geistlichen Mut bewies Ebba im Streit zwischen ihrem Neffen, König Ecgfrith von Northumbrien, und dem heiligen Bischof Wilfrid von York. Als Wilfrid zu Unrecht gefangen gehalten wurde und Königin Ermenburga schwer erkrankte, mahnte Ebba den König mit großer Freimütigkeit, den Bischof freizulassen und ihm das widerrechtlich Genommene zurückzugeben. Der König folgte ihrem Rat, woraufhin die Königin wieder gesund wurde.
Gegen Ende ihres Lebens hatte die Klostergemeinschaft mit einer nachlassenden geistlichen Disziplin zu kämpfen. Ebba bemühte sich, ihre geistlichen Kinder zur Umkehr und zu einem Leben des Gebetes zurückzuführen, und suchte dabei auch die Unterstützung des heiligen Cuthbert.
Die heilige Ebba leitete das Doppelkloster von Coldingham bis zu ihrer seligen Entschlafung im Jahr 682. Andere Überlieferungen setzen ihren Tod in das Jahr 683. Wegen ihres heiligmäßigen Lebens wurde sie schon bald nach ihrem Tod verehrt. Ihr Name lebt bis heute in Coldingham, St Abb’s Head, St Abbs und anderen Orten Nordenglands und Südostschottlands fort.